Gibt es die eine Snapchat Marketing-Strategie?

Und da ist er mal wieder: Ein weiterer Beitrag zu diesem unaufhaltsamen Phänomen Snapchat. Als ob das Netz nicht schon genug gefüllt ist mit klugen top-secret- Ratschlägen, How-To-Artikeln und 10 Tipps zum erfolgreichen Snapchat-Marketing. Ganz können wir uns als digitale Spezialisten diesem Medium natürlich nicht entziehen. Deshalb haben wir uns mit der Besonderheit "Snapchat" auseinandergesetzt und mal das marketingtechnisch wirklich Wichtige zusammengetragen.

Snapchat is everywhere

Snapchat hat sich mittlerweile als aktuelles Lieblingsspielzeug im weiten Reich der Social Apps herauskristallisiert. Was die Liveticker in den 2000er-Jahren waren, ist nun Snapchat. Generation Snapchat wächst gerade heran – eine prägende Entwicklung wie sie einst Nintendo oder MSN auf eine ganze Generation hatten. Um nicht als langweilig oder old-fashioned abgestempelt zu werden, sollten auch Unternehmen ihren Content zukünftig ähnlich darstellen. 

Dass Snapchat Marketing erfolgreich funktionieren kann, hat das "Wallstreet Journal" in einem Artikel bereits thematisiert. Demnach zeigt der Blick in die USA, in der mehr als 40 Prozent der bis zu 35-Jährigen über Snapchat erreicht werden, die enorme Relevanz dieser Kommunikationsform. 

How to Snap

Erfolgreich wird Snapchat-Marketing vor allem von den Big Players betrieben. Bestes Beispiel: Der Taco Bell-Filter. Für den lustigen Filter, bei dem anstelle des Selfies ein riesiger Taco anstelle des Kopfes des Users erscheint, hat Taco Bell einiges hingelegt. Laut des Wall Street Journal Artikels kosten solche „Sponsored Lenses“ um die 450,000 bis zu 750,000 US$ pro Tag. Diese Funktion ist jedoch aber auch die am höchsten verspielte, interaktive und teuerste Werbeform auf Snapchat. 

Eine weitere Funktion, die vor allem für Location Based Advertisement interessant ist, sind die Sponsored Geofilter, bei denen Nutzer ihre Videos und Bilder mit einer Brand-eigenen Botschaft aufpimpen können. Diese On-Demand Geofilter sind derzeit vorerst nur in den USA, Kanada und UK erhältlich, aber es dauert sicherlich nicht mehr lange, bis sie auch in Deutschland einschlagen. Sie sind nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Businesses interessant. Man kann ganz einfach sein eigenes Design kreieren, den gewünschten Geofence und Zeitraum angeben und nach einer schnellen Prüfung von Snapchat kann der eigene Filter bis zu 30 Tage lang online gehen. Community Geofilter (Filter ohne Markenbotschaft oder Ähnlichem) sind kostenlos, On-Demand Filter kosten je nach Größe des Geofences und Laufdauer ab 5$.*1

Auch ohne eigene Snapchat-Aktivitäten sind solche Filter interessant, um die junge Snapchat-affine Zielgruppe zu erreichen. Ein gutes Beispiel hierfür wäre zum Beispiel ein Geofilter zur Eröffnung eines neuen Cafés in Berlin im Umkreis von zwei Kilometern. Jeder Nutzer, der einen Snap mit dem Filter in seine Geschichte postet und diesen an der Kasse vorzeigt, erhält einen Kaffee gratis. 

Snap Ads & Discover-Bereich 

Auch der Discover-Bereich auf Snapchat ist für Unternehmen spannend. Ob man gerade Beziehungstipps, Modetrends oder Breaking News verfolgen möchte: Mittlerweile gibt es für nahezu jedes Interesse den richtigen Channel auf Snapchat. Bei Discover werden mobile Nachrichten ansprechend, lustig und visuell kreativ direkt im Leben des Nutzers platziert. Hier bietet Snapchat ein professionelles Media Feature zum Publishing von digitalem Magazin-Content und richtet sich klar an umsatzstarke Verlage und Entertainment Businesses. Die Verweildauer der Nutzer wird erhöht und somit auch das Interesse der Werbetreibenden. 

In Deutschland zwar noch nicht auf dem Markt, in den USA jedoch schon weit verbreitet: die Snap Ads. Zwischen den Stories von Freunden und im Discover-Bereich können Advertiser 10sekündige Videos platzieren. Wenn die Anzeige besonders ansprechend ist, kann der Nutzer durch das Swipen nach oben (ganz Snapchat-üblich) auf weiteren Content – Videos, Artikel, Bilder etc. weitergeleitet werden. Laut Snapchat ist die Rate, dass Nutzer nach oben swipen, 5x höher als das durchschnittliche Durchklicken von ähnlichen Werbeinhalten auf anderen Plattformen.*2 Die Preisskala variiert hier zwischen 40-60$ pro CPM zwischen User Stories und ca. 100$ pro CPM im Discover-Bereich.*3 

Adieu liebes Snapchat-Kurzzeitgedächtnis 

Seit kurzem hat Snapchat die Memories-Funktion eingeführt, mit der nun Snaps auf Dauer im Snapchatprofil gespeichert werden können. Dieses zunächst eher anti-snapping scheinende Feature resultiert daraus, dass so viele Nutzer Snaps in ihrer Galerie gespeichert und danach auf anderen Social Media-Kanälen regepostet haben. Um Nutzern zu ermöglichen, dass ihre kreativen Schnappschüsse nicht für immer in Vergessenheit geraten, kann man seine Snaps nun auch einfach direkt dort speichern, ohne sie extra herunterladen und auf anderen Kanälen verbreiten zu müssen. Für Marken und Firmen ist Memories deshalb interessant, da nun auch vorgefertigte Bilder und Videos aus der Galerie gesnapt werden können. Hoher Aufwand geht nicht binnen eines Tages verloren und die Community kann dauerhaft bespaßt werden. Scheint zwar etwas Instagram-like, jedoch für Firmen ein wirklich ansprechendes Marketingtool. 

Sogar der Zeitpunkt an dem gesnappt wird, ist von hoher Relevanz. Da die Hauptnutzer von Snapchat (um die 70%) jünger als 25 Jahre alt sind,*4,5 lässt sich demnach vermuten, dass diese vor allem in den Morgenstunden auf ihren Social Media-Kanälen aktiv sind. Schüler und Studenten sehen sich vor dem Aufstehen, in den Hofpausen oder in einer nicht allzu spannenden Vorlesung gern die Storys ihrer Kontakte an. Zu diesen Zeiten ist die Hauptnutzergruppe also vor allem aktiv und direkt – quasi in Echtzeit und am authentischsten – erreichbar. 

Snapchat in Deutschland 

Snapchat ist auf anderen Social Media-Plattformen, auf Konferenzen und in Blogs mittlerweile Dauerthema. In Deutschland hat jedoch kaum ein Unternehmen Snapchat strategisch mit in seine Kommunikationsmittel eingeplant. Im Vergleich zu Facebook oder YouTube stehen die Content-Produktion auf Snapchat und die letztendliche Relevanz für das Unternehmen noch zu sehr im Ungleichgewicht. Dazu fehlt es hier noch an Transparenz, Reichweite und vermehrten Zugangsformen zu den Usern. Unternehmen und Marken sollten in Deutschland ihren Social Media-Auftritt snapchatgerecht überarbeiten, denn der Snapchat-Hype hört nicht auf. Ob es die perfekte Snapchat Marketing-Strategie gibt, bleibt demnach wohl weiterhin abzuwarten. Storytelling bleibt aber weiterhin das A und O bei Snapchat. Die größte Chance liegt wohl vor allem in einer Kombination der onlinemarketingtechnisch einzigartigen Appfunktionen, mit denen die Nutzer aktiv eingebunden werden.